Lernen aus moralischen Verletzungen in Nachrichten

Projektleitung: Sophie Bruns, Katharina Knop-Hülß
Projektlaufzeit: laufend
Projektinhalte:

Menschen erinnern sich an wenige Informationen aus Nachrichten, die sie gelesen haben (Grabe & Myrick, 2016). Welche Elemente von Nachrichten die Erinnerungsleistung von Rezipient*innen beeinflussen, ist aus demokratietheoretischer Perspektive eine wichtige Frage: Nachrichten müssen Inhalte vermitteln, damit Bürger*innen Meinungen bilden und informierte Entscheidungen treffen können. In diesem Projekt betrachten wir Immoralität als eine Kategorie von negativen Ereignissen, die in Nachrichten thematisiert werden. Wir untersuchen, inwiefern Immoralität dazu führt, dass Menschen sich besser an Inhalte erinnern können. Moral ist ein wichtiger Kompass für das menschliche Zusammenleben (s. Schein & Gray, 2017). Deshalb vermuten wir, dass Nachrichten, die über Themen berichten, bei denen Akteure anderen Schaden zufügen, also moralisch falsch handeln, von Leser*innen als besonders relevant wahrgenommen werden. Außerdem sollten diese Nachrichten eine emotionale Reaktionen bei Leser*innen auslösen. Emotionale Reaktionen beeinflussen nachweislich, wie sich Leser*innen an Nachrichteninhalte erinnern (z.B. Grabe & Myrick, 2016; Lang et al., 2007). Deshalb vermuten wir, dass sich Personen, die von moralischen Verletzungen lesen, besser an Inhalte erinnern, als solche, die einen moralisch neutralen Artikel lesen. Um diese Annahmen zu testen, führen wir ein Online-Experiment durch. Die Teilnehmer*innen lesen unterschiedliche Varianten eines Nachrichtenartikels zum Thema Medizin/Notfallversorgung. Die Immoralität besteht in drei von vier Versionen darin, dass der Politik Verantwortung für eine kritische Erstversorgungslage in ländlichen Regionen zugeschrieben wird (Menschen leiden unter Langzeitfolgen zu später Erstversorgung). Im Anschluss beantworten die Teilnehmer*innen Fragen zu ihrer Aufmerksamkeit während des Lesens, ihrer emotionalen Verfassung, sowie ihrer Erinnerung an bestimmte Informationen aus dem Nachrichtenartikel.

Grabe, M. E., & Myrick, J. G. (2016). Informed Citizenship in a Media‐Centric Way of Life. Journal of Communication, 66(2), 215-235.
Lang, A., Park, B., Sanders-Jackson, A. N., Wilson, B. D., & Wang, Z. (2007). Cognition and emotion in TV message processing: How valence, arousing content, structural complexity, and information density affect the availability of cognitive resources. Media Psychology, 10, 317–338.
Schein, C., & Gray, K. (2018). The theory of dyadic morality: Reinventing moral judgment by redefining harm. Personality and Social Psychology Review, 22(1), 32-70.

Projektnummer: 2019_SB_KKH_A
Kontakt: info@ijk.hmtm-hannover.de
Geben Sie bei Anfragen bitte die Projektnummer an.
 

Meldungen Alle

Termine Alle

  • Samstag, 02.11.2019 | 15:40

    IJK-Forum 2019

    Auch in diesem Jahr findet das IJK-Forum zu Ehren des…

Zuletzt bearbeitet: 25.10.2019

Zum Seitenanfang