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Donnerstag, 13.01.2022 16:54 - Alter: 122 Tage

Ärzt:innen als Navigatoren ihrer Patient:innen im Internet: Wie digitale Informationsangebote in Zukunft aussehen sollten

In Zeiten von Gesundheitskrisen wie der Corona-Pandemie wünschen sich Patient:innen digitale Informationsangebote Ihrer Ärzt:innen, um qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen zu erhalten – dies zeigt eine von der VolkswagenStiftung geförderte Studie des Hanover Center for Health Communication [HC]² der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Die Auswirkungen der langen Lockdowns während der Corona-Pandemie machen sich auch in der Gesundheitsversorgung bemerkbar. Eine Befragung von 1.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren, von denen die Hälfte chronisch erkrankt ist, zeigt, dass rund 40 Prozent der Befragten während der Pandemie einen Termin bei einer Ärztin oder einem Arzt vermieden, abgesagt oder zumindest hinausgezögert haben. Zudem gab ein Fünftel der Befragten an, dass sich die Qualität ihrer Gesundheitsversorgung in den letzten zwölf Monaten verschlechtert habe. Ein ähnlich hoher Anteil an Befragten bemängelt, dass der Informationsumfang, den Ärzt:innen bereitstellen, zu gering ist.

Vor diesem Hintergrund fokussiert die Studie des [HC]², welche Anforderungen Patient:innen an Gesundheitsinformationen stellen und welche Rolle der Ärztin oder dem Arzt dabei zukommen sollte, diesen Informationsbedürfnissen auch außerhalb der ärztlichen Konsultation zu begegnen. Die Studie zeigt, dass ca. 64 Prozent der Befragten es befürworten, wenn ihre Ärzt:innen ihnen ein digitales Angebot für Gesundheitsinformationen bereitstellen würden. Ein solches Angebot sollte Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen bieten und für die Patient:innen persönlich zugeschnittene Informationen bereitstellen, sodass sich diese besser informiert fühlen und von einer eigenen Recherche entlastet werden. Besonders wichtig sind den Befragten dabei eine leichte und intuitive Bedienbarkeit, eine übersichtliche Gestaltung sowie die Verständlichkeit und Aktualität der Informationen. Der Informationsgehalt und die Informationsqualität stehen somit im Vordergrund, während es nur von nachrangiger Bedeutung ist, dass das Angebot auch unterhaltsam erscheint und beispielsweise ein Quiz zur Prüfung des Wissens enthält.

Bisher haben jedoch nur drei Prozent der Befragten ein solches Angebot von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt erhalten. Dabei gewinnt die Nutzung digitaler Angebote für gesundheitliche Zwecke zunehmend an Bedeutung. Seit Jahren zeigen sich steigende Nutzungszahlen von Suchmaschinen, Online-Lexika und Gesundheitsportalen. Mehr als jede/r Fünfte der Befragten (26,2%) gibt an, dass seine oder ihre Nutzung digitaler Gesundheitsangebote während der Corona-Pandemie weiter zugenommen hat. Die Suche nach Informationen ist dabei das dringlichste Anliegen und erfordert entsprechende digitale Gesundheitskompetenzen, die sich nur 43,3 Prozent der Befragten zuschreiben. Zudem sind nicht alle Gesundheitsinformationen im Internet zuverlässig, seriös und qualitativ hochwertig. Ein digitales Informationsangebot von Ärzt:innen könnte hier ansetzen und Patient:innen mit angemessenen Informationen versorgen. Ein solches Angebot bietet außerdem großes Potential, die positiv bewertete Ärzt:innen-Patient:innen-Kommunikation während und nach gesundheitlichen Krisen wie der Corona-Pandemie weiter zu stärken.

Über das Forschungsprojekt
Das von der Volkswagenstiftung geförderte Projekt widmet sich der digitalen Kommunikation zwischen medizinischem Fachpersonal und Patient:innen vor allem mit Blick auf neue Formen der Informationsbereitstellung für Patient:innen. Zuletzt hat die Corona-Pandemie verdeutlich, wie herausfordernd es aufgrund der Vermeidung der Gesundheitsversorgung sein kann, akut und chronisch kranke Patient:innen angemessen zu versorgen. Um dem starken Bedürfnis der Patient:innen nach qualitativ hochwertigen Informationen gerecht zu werden, scheint die digitale Informationsbereitstellung durch medizinisches Fachpersonal essentiell zu sein und ist in der Lage, neue Barrieren der Gesundheitsversorgung während und nach Gesundheitskrisen zu überwinden. Ziel des Projekts ist es, die Potenziale der digitalen Transformation der Gesundheitsinformationsbereitstellung sowohl aus der Perspektive der Patient:innen als auch des medizinischen Fachpersonals zu bewerten und die Auswirkungen digitaler Informationsformate auf das Vertrauen, die Zufriedenheit, das Wissen und die Behandlungs-Compliance der Patient:innen zu untersuchen. Unterstützt wird das Projekt durch das Startup medicstream, an dessen Beispiel besonders die Wirkung bestehender Angebote erforscht wird. Das Forschungsprojekt wird von Dr. Elena Link geleitet und läuft noch bis September 2022.

Kontakt
Dr. Elena Link
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung [HC²] - Hanover Center for Health Communication
Expo Plaza 12, 30539 Hannover
Tel. +49 (0) 511 – 3100 474
elena.link@ijk.hmtm-hannover.de | www.hc-quadrat.de

Zuletzt bearbeitet: 27.05.2018

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