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Donnerstag, 04.10.2012 19:17 - Alter: 7 Jahre

Workshop „Kulturorganisationen (weiter-)entwickeln“ zeigt Stand der Kulturorganisationsforschung auf

Kulturorganisationen wie Theater, Opernhäuser und Orchester sind heute mit vielfältigen Wand-lungsprozessen konfrontiert, die sie auch innerhalb ihrer Organisation nachvollziehen müssen. Die Notwendigkeit von Organisationsentwicklung und Change-Management-Initiativen steigt kontinuierlich. Kulturorganisationen wollen, wenn nicht alles, dann doch vieles ändern – aber wie? Diese Fragestellung leitete den Workshop „Kulturorganisationen (weiter-)entwickeln“ des Institutes für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) der Hochschule für Musik, Theater und Medien am 21. September 2012 im Senatssaal der Hochschule. Die Veranstalter Prof. Dr. Carsten Winter und Christopher Buschow begrüßten ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praxisvertreterinnen und -vertreter, die Entwicklungsmöglichkeiten vorstellten und neue Potenziale und Perspektiven für Kulturorganisationen debattierten. In zwei Panels und einer Round-Table-Diskussion machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die (Weiter-)Entwicklung von Kulturorganisationen zu einer wissenschaftlichen Herausforderung, indem sie organisationale Spannungsfelder offenlegten und strategische Möglichkeitsräume aufzeigten. Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und nordmedia – Die Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.

Die Beiträge in Panel 1, das von Prof. Dr. Tasos Zembylas (Wien) moderiert wurde, widmeten sich der Konzeptualisierung von Wandel und Kulturorganisation. Dr. Michael Hölscher (Heidelberg/Oxford) thematisierte in seinem Eröffnungsbeitrag globale Städte aus der Perspektive international vergleichender Kultur- und Kreativwirtschaft als „Labor“ und Experimentierraum. Vor dem Hintergrund der besonderen Relevanz von „tacit knowledge“ in Kulturorganisationen plädierte er für ein Weiterdenken von Partnerschaften und überräumliche Vernetzungen von Kulturorganisationen. Prof. Dr. Peter Tschmuck (Wien) schloss an diese globale Perspektive mit einem Beitrag zur Veränderung der Organisationsform öffentlicher österreichischer Kulturbetriebe an. Er berichtete, welche Reaktionen diese Ausgliederungsprozesse innerhalb der Organisationen auslösten, mit welchen Strategien Herausforderungen begegnet wurde und wie unterschiedlich sich Privatisierungen auf die Leistungsfähigkeit von Organisationen auswirken können. Aus einer systemtheoretischen Perspektive diskutierte Prof. Dr. Martin Tröndle (Friedrichshafen) anschließend Entscheidungsstrukturen in Kulturorganisationen und entwickelte Vorschläge, wie die Qualität von Entscheidungen gesteigert werden kann. Dr. Nicoline Scheidegger (Zürich) beschloss das erste Panel mit einem Beitrag zur Entwicklung von Governancestrukturen und Fehlsteuerungen innerhalb von Kulturorganisationen aus einer Perspektive der neuen Institutionenökonomie.

Nach dem Mittagessen wurden in Panel 2, dessen Moderation Thomas Schäffer (Geschäftsführer nordmedia – Die Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH) übernommen hatte, Einblicke in empirische Forschungsprojekte zum Wandel der Kulturorganisation gegeben. Prof. Dr. Carsten Winter (Hannover) startete mit einer historischen Rekonstruktion der Rolle der Kulturorganisation und berichtete aus Forschungsprojekten für die Berliner Musikwirtschaft und zur niedersächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft. Dr. Stefan Schindler (Wien/Eisenstadt) schloss mit den Erkenntnissen aus seinem Dissertationsprojekt zu Kommunikationsproblemen von Kulturbetrieben und seinen Erfahrung als Leiter Finanzen & Organisation der Haydn Festival Eisenstadt und der Internationale Joseph Haydn Privatstiftung Eisenstadt an diesen Vortrag an. Das Panel endete mit einem Vortrag von Christopher Buschow (Hannover), der Kulturmanager als „pivot player“ vorstellte und aus einer theoretischen Perspektive der „Communicative Constitution of Organizations“ Konsequenzen für die Praxis der Organisationsentwicklung vorschlug.

In der abschließenden Diskussionsrunde unter dem Leitmotiv „Kulturorganisation intelligenter, inkludierender und nachhaltiger machen!“ wurden die Erkenntnisse der Vorträge zusammengeführt und in größerer Runde diskutiert. Dabei zeigte sich allen voran, dass Organisationsentwicklung in Kulturorganisationen keine „best-practice“-Disziplin ist, in der es „one-best-ways“ geben könnte. Die versammelten Expertinnen und Experten votierten daher für weitergehende Theorieentwicklungen und eine stärker als bisher betrieben empirische Untersuchung dieser Sachverhalte.

Download des Veranstaltungsprogramms

Zuletzt bearbeitet: 29.11.2016

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