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Montag, 17.11.2014 17:54 - Alter: 5 Jahre

Prof. Dr. Winter spricht auf der Tagung „Die Produktivität von Musikkulturen“ an der Uni Kassel über neue Möglichkeiten von Künstlern und Musikkonsumenten

In seinem Vortrag „Herausforderungen der Konzeptualisierung der neuen Produktivität von Musikkultur“ erläuterte IJK-Professor Winter auf der vom 14. bis 15. November 2014 an der Universität Kassel veranstalteten Tagung den unerwarteten neu entstandenen Wohlstand in unserer Musikkultur. Wohlfahrtsökonomisch verstanden ist heute mehr Leuten in Bezug auf Musik in digitaler Form mehr möglich als jemals zuvor: Immer mehr verfügen über Musik praktisch zu jeder Zeit an jedem Ort; können sie für andere (ver-)teilen, kommentieren und organisieren und sogar co-kreieren und co-finanzieren. Diesen neuen Wohlstand verdanken wir keinen Akteuren musikwirtschaftlicher Kernbranchen (Live, Publishing, Recorded Music), den wir früher unseren Musikwohlstand maßgeblich zu verdanken hatten.
Unseren Musikwohlstand verdanken wir der Produktivität neuer Akteure mit neuen Medien als neuen Mitteln zur musikbezogenen Schöpfung von Werten für andere, wie im Anschluss an die Entwicklung von Druck- oder Sekundärmedien oder von elektronischen oder Tertiärmedien: Wir können uns heute kaum mehr vorstellen, wie Lied- und Notendrucke unseren Musikwohlstand gemehrt haben sowie später elektronische Medien wie Tonträger, Radio, Kino  oder Musikfernsehen wie MTV, mit denen jeweils neue Wirtschaftsakteure uns immer mehr Wohlstand an Musik ermöglicht haben.
Unseren größeren Musikwohlstand verdanken wir wieder dem Umgang mit neuen und nun digitalen Netzwerkmedien, über die vor allem immer mehr wirtschaftsferne Akteure verfügen. Seit  Napster (1999) verteilen sie mit ihnen Musik, organisieren und orientieren mit MySpace (2003) und Facebook (2004) die Wahrnehmung von Musikschaffenden oder seit 2006 von Musikclips z. B. mit YouTube, von Songs mit Spotify (2006), von Tracks mit SoundCloud (2007) und co-kreieren Musik mit Talenthouse (2009) oder co-finanzieren sie sogar mit digitalen Crowdfunding-Medien wie Startnext (2009).
Diese neuen Akteure  machen Musikkultur umfassender produktiv, als es die Musikwirtschaft je könnte: Produktiv sind zunehmend Musikkünstler als Artepreneure, als Unternehmer ihrer Kunst, die sie nicht so ausschließlich wie Unternehmen auf Märkte ausrichten, und natürlich vor allem gewöhnliche Leute, Fans und Konsumenten, die völlig neue Möglichkeiten erhalten, musikbezogen als Cultureprenreure medial öffentlich Werte für andere zu schöpfen. Ihre musikbezogenen medialen Wertaktivitäten werden immer professioneller, ohne dabei notwendig kommerzieller zu werden, wie aktuell empirische Studien zum Wandel von Musikkultur und Musikwirtschaft belegen.

Zuletzt bearbeitet: 29.11.2016

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