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Mittwoch, 29.03.2017 14:01 - Alter: 3 Jahre

Christoph Catewicz geht in Ruhestand

Bilder von ihm gibt es viele. Besser gesagt: Bilder, die er aufgenommen hat – Porträts von Künstlerinnen, Kollegen, Studierenden, Eindrücke von Theaterproben, Konzertauftritten, psychologische Studien von Jubel und Angst hinter der Bühne, grafische Studien von Räumen und Gebäuden. Wollte man als Buch veröffentlichen, was Christoph Catewicz in über drei Jahrzehnten fotografisch festgehalten hat – es würde eine voluminöse Dokumentation der Hochschulgeschichte und ihrer Haupt- und Nebendarsteller werden.

Bilder, die ihn selbst zeigen, gibt es dagegen kaum. Er, der Generationen von Journalistikstudenten Bildaufbau, Schärfentiefe und Verschlusszeit erklärt hat, blieb selbst am liebsten hinter dem Objektiv der Kamera.

So ist das mit Menschen, deren Tugend Bescheidenheit ist.

Auch große Töne hat man von ihm nie gehört. Kohorten junger Reporter half er im Tonstudio des alten IJK in der Hohenzollernstraße bei der Produktion ihrer 1:30-Berichte, sensibilisierte sie für Klang und Artikulation, half bei der Musikauswahl, bei Schnitt und Dramaturgie. Er selbst aber drängte sich nie als Lautsprecher in den Mittelpunkt, erzählte wenig von sich.

So ist das mit Menschen, die sich zurücknehmen können.

Dabei hätte „Jacek“, wie er lange von allen genannt wurde, viel zu erzählen. 1951 im polnischen Städtchen Sopot geboren, ging er als junger Mann zur Marine. Als Funkoffizier fuhr er unzählige Häfen der Welt an, kam mit Menschen aller Kontinente zusammen. 1982 beschloss er, sich in Deutschland niederzulassen, dem Land, das seiner polnischen Heimat nicht lange zuvor unendliches Leid zugefügt hatte. Drei Jahre später kam er dann an den gerade gegründeten Ergänzungsstudiengang Journalistik unserer Hochschule, als „Leiter der audiovisuellen Medienanlagen“.

Und blieb. Blieb 32 Jahre. Blieb auch, als der Ergänzungsstudiengang um die Jahrtausendwende eingestellt und die Studios abgestoßen wurden, als das IJK sich von der Journalistenausbildung wegbewegte. Gleichwohl empfand er auch die Jahre nach dem Umzug auf die Expo Plaza, als er sich auf andere technische Aufgaben einstellen musste, als Bereicherung. Es waren seine Universitätsjahre. Bei der polnischen Marine, so sagt er rückblickend, sah er die „Oberfläche“ der Welt, sah, wie sich die Menschen geben und gesehen werden wollen. Im IJK aber habe er verstanden, was „innen passiert“, warum die Welt so ist, wie sie ist. „Ich habe die Medien beobachtet und studiert, um zu schauen, was Menschen wirklich bewegt, was sie in ihrer Seele anspricht. Das journalistische Durchdringen, das war mein Studium.“

Christoph Catewicz ist ein Suchender, ein Fragender, jemand, der um Erklärungen ringt, der viel liest. Auf unserem  gemeinsamen Weg zur Expo Plaza haben wir im Park an der Bult unzählige Male diskutiert, über den Kosmos und die Vergänglichkeit, über den Tod und blühende Kastanien, über Kondensstreifen am Himmel und die Eitelkeit auf Erden, über technische Irrwege und die Selbstversklavung der Generation Smartphone. Immer wieder haben wir alten Wörtern und ihren Bedeutungen nachgespürt. Christoph Catewicz liebt die deutsche Sprache. Er schreibt auf Deutsch, zeigt seine Zeilen aber nur selten her. Sie sind wichtig für ihn, aber nicht wichtig für andere.

So ist das mit den Kollegen, die sich selbst nicht so wichtig nehmen. Sie werden Freunde.

Und es fehlt etwas, wenn man sie nicht mehr jeden Morgen sieht.

Gunter Reus

Zuletzt bearbeitet: 29.11.2016

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